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Automatisch Rasenmäher

Stromer ohne Lampenfieber

17. Juli 2009

ANDWIL/ENGELBURG. Im August reist Dominik Süess an die Berufsweltmeisterschaft nach Calgary. Mit im Gepäck: Der Chef höchstpersönlich, Freundin und Familie, Laptop und Schraubenzieher. Doch vor der Reise stehen noch zeitraubende Vorbereitungen an.

 

Malolo Kessler

 

Der 10. Januar 2009: Diesen Tag vergisst Dominik Süess nicht so schnell. Es ist der Tag, an dem er den Höhepunkt seiner noch kurzen Karriere feiert. Er triumphiert an der Schweizer Berufsmeisterschaft über alle anderen Elektroinstallateure – und bringt eine Goldmedaille vom zentralschweizerischen Horw ins heimische Andwil. Ein wenig stolz sei er damals schon gewesen, sagt Süess heute.

 

Erste und letzte Chance

Seither hat sich der 21jährige Andwiler aber nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Seit Beginn seiner Lehre arbeitet Süess für die Elektro- und Telecom-Firma HPH Hardegger AG in Engelburg. «Wir haben im Moment viel zu tun», sagt Süess. Von der Wirtschaftskrise keine Spur. Dennoch hat er sich ein paar Minuten freischaufeln können.

 

Er sitzt im Pausenraum seines Arbeitgebers, die Arme verschränkt, die Getränkeflasche griffbereit, ein «Böhse Onkelz»-T-Shirt am Leib. Auf dessen Rückseite ist ein Zitat aufgedruckt. «Life is not a journey», lautet die erste Zeile. Nicht gerade passend: Denn in Süess' Leben steht Ende August eine spezielle Reise an. Sie führt ihn von Andwil über den Grossen Teich ins kanadische Calgary. Dort vertritt er die Schweiz als Elektroinstallateur an den Berufsweltmeisterschaften.

 

Dafür hat er sich mit dem Schweizer Meistertitel qualifiziert. Es ist Süess' erste Chance, der Welt zu zeigen, was er kann – zugleich aber auch seine letzte. Die Alterslimite für die Teilnahme an der Berufsweltmeisterschaft liegt bei 22 Jahren.

 

Sortieren, ordnen, ausprobieren

Momentan steckt der Elektroinstallateur in den Vorbereitungen für den Wettbewerb. Erste Priorität haben dabei die Werkzeuge, die er mitnimmt. Er sortiert sie, ordnet sie, arbeitet mit ihnen.

 

Denn nur die besten Akkuschrauber, Zangen und Wasserwaagen dürfen mit nach Kanada. In rund einer Woche werden die Wettbewerb-Werkzeuge verschifft. Wenn es so weit ist, wird sich Süess vorwiegend dem Programmieren auf dem Laptop widmen, denn auch das gehört zur Arbeit eines Elektroinstallateurs. Süess sortiert und programmiert aber nicht nur, sondern trainiert auch.

 

Während zwei- bis dreitägigen Trainingseinheiten, die in der ganzen Schweiz stattfinden, versucht er sich mit drei anderen Elektroinstallateuren an verschiedenen Aufgaben. Diese sind jenen, vor die er dann in Kanada gestellt wird, ähnlich.

 

Die Vorbereitungen kosten den 21-Jährigen viel Zeit. Zeit, die Süess zu opfern bereit ist. «Es war mein Ziel, an die Weltmeisterschaften zu gehen», sagt er. «Ich habe mir die Vorbereitungen sozusagen selbst eingebrockt.» Zudem würden die Erfahrungen in Kanada den Zeitaufwand bestimmt wieder wettmachen.

 

Den Ball flach halten

Nervös ist Süess noch nicht. Erst kurz vor dem Wettbewerb steht der Stromer jeweils unter Strom – aber auch dann nur ein bisschen. «Sobald ich die erste Schraube hineingedreht habe, legt sich die Nervosität wieder», sagt Süess schmunzelnd und wirkt dabei, als wäre er die Ruhe in Person.

Aber ehrgeizig ist er dann schon: Sein Ziel sei, an der Weltmeisterschaft einen der ersten sechs Plätze zu belegen. «Der Wunsch, zu gewinnen, existiert selbstverständlich», fügt der Andwiler etwas zögerlich hinzu. Natürlich sei das Niveau an der Weltmeisterschaft sehr hoch. «Da halte ich den Ball lieber flach.»

Nach Kanada werden ihn sein Lehrmeister und dessen Frau höchstpersönlich begleiten. Auch Süess' Eltern, die Freundin und deren Mutter reisen nach Calgary.

 

Andere Glücksbringer nimmt er nicht mit. Wichtiger sind ihm die Werkzeuge und der Laptop. Der Andwiler verlässt sich – statt auf Glücksbringer – lieber auf sein Können. Damit ist er bislang ja auch gut gefahren.

Freude am Schrauben: Dominik Süess vertritt die Elektroinstallateure an den Berufsweltmeisterschaften. Bild: Malolo Kessler